Nachhaltigkeit 1713-2013


Hans Carl von Carlowitz

Die erste Nennung des Begriffs nachhaltig wird im allgemeinen Johann „Hannß“ Carl von Carlowitz (1645-1714) aus Freiberg zugeschrieben.(*1) Sein Vater war Oberaufseher der Flöße und kurfürstlicher Oberjägermeister. So lernte Carlowitz früh in seinem Leben die Welt der Flößer, Köhler und Jäger kennen. Gleichzeitig war er mit der geistigen Welt seiner Zeit vertraut. An der Universität Jena studierte er 1664 zwei Semester Jura und brach danach zu einer fünfjährigen Studien- und Bildungsreise auf. Dabei besuchte er England, Frankreich und Italien. 

Carlowitz wurde im Alter von 32 Jahren zum „Vice Berg-Hauptmann“ ernannt und wurde später Oberberghauptmann und Leiter des Oberbergamts in Sachsen. Somit lag unter anderem die Verwaltung der Holzversorgung des sächsischen Berg- und Hüttenwesens in seinem Aufgabengebiet.

In dieser Position verfasste er im Jahr 1713 das erste in sich geschlossene deutsche Werk zur Forstwirtschaft mit dem Namen „Sylvicultura oeconomica, oder haußwirthliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung zur wilden Baum-Zucht“. Im Buch wird der Gedanke der Nachhaltigkeit – wie er bereits von den Vorbildern Colbert und Evelyn entwickelt wurde – noch einmal deutlich formuliert: Bei der Rodung von Wäldern müsse man „bedenken [...] wo ihre Nachkommen Holz hernehmen sollen" (Carlowitz 2009, S.76).

Denn „wenn die Holtz und Waldung erst einmal ruinirt / so bleiben auch die Einkünffte auff unendliche Jahre hinaus zurücke / und das Cammer=Wesen wird dadurch gäntzlich erschöpffet / daß also unter gleichen scheinbaren Profit ein unersetzlicher Schade liegt“ (Carlowitz 2009, S.87).

Anhand eines Sprichwortes verdeutlicht er das Prinzip: „Man soll keine alte Kleider wegwerffen / bis man neue hat / also soll man den Vorrath an ausgewachsenen Holtz nicht eher abtreiben / bis man siehet / daß dagegen gnugsamer Wiederwachs vorhanden“. Er mahnt, dass man "mit dem Holz pfleglich umgehe, und alle unnütze Verschwendung und Verderbung desselben, so viel wie möglich verhüte“ (Carlowitz 2009, S.88).

1713: Die Geburtsjahr des Nachhaltigkeitsbegriffs

Darauf folgt der Absatz, der als die Geburtsjahr des Nachhaltigkeitsbegriffs gilt:
„Wird derhalben die größte Kunst/Wissenschaft/Fleiß und Einrichtung hiesiger Lande darinnen beruhen / wie eine sothane Conservation und Anbau des Holtzes anzustellen / daß es eine continuierliche beständige und nachhaltende Nutzung gebe / weiln es eine unentberliche Sache ist / ohne welche das Land in seinem Esse nicht bleiben mag.“ (Carlowitz 2009, S.150)

www.nachhaltigkeit.info/artikel/nachhaltigkeit_i_d_forstwirtschaft_1725.htm